Wie besänftigt

Wie besänftigt breitet sich die Landschaft aus
vollgesogen von Sommer und Geduld
sieh wie der Wind im Sand spielt
Smaragde im Moos zu tanzen beginnen
und der Horizont Farben in die Gesichter malt

Der Tag ist lang genug
um der Liebsten eine Muschel zu stehlen
oder ihren Melonenhut in den Wind zu hängen
und darauf zu warten dass das Meer
eine schäumende Woge um unsere Jugend legt

Während wir dem Lärm der Wolken lauschen
und die Trauerweide vor Zärtlichkeit überfließt
ist uns als könnten wir die Häuser schlafen hören
während ich mit der einen Faust eine Feder
und mit der anderen eine Träne umhülle

Jetzt ist uns als könnten wir
dem Lärm der Wolken lauschen
voller Zärtlichkeit dem Vergessen huldigen
und dabei zusehen
wie das Meer eine schäumende Woge
um unsere Jugend legt
Erinnerungen beflügeln den trägen Morgen
Während die Trauerweide vor Zärtlichkeit überfließt

© Joke Frerichs

Insel II

schon zur Begrüßung
trägt sie unterm Auberginenhimmel
die schroffen Züge rot angemalt
wie ein Hauptrollenkostüm

bis in die letzte Faser angespannt
zeigt sie sich jetzt
mit trocknem Mund
von ihrer spröden Seite

wo mal Meer war
ist nur noch eine trübe Brühe
und wo sie strahlte da erschöpft sie sich
für dieses letzte körnig matte Licht

es knirscht auch zwischen ihren Zeilen
und manche Szene in den Hauseingängen
geht gar nicht
bloß mit viel Rum runter

nur so ist sie zu nehmen
wie eine Wehe dieser Wüstenatem
er schlägt in Hitzewellen
über dir zusammen und brennt

bis irgendwann vom Ozean
ein kühler Strom dagegenhält
wie ein Signal in seinen Lungen
die Rufe der Lorbeertauben trägt

sie wirkt beschwichtigt die vertraute
Inszenierung dieses Stücks
kennen die Eidechsen schon
und harren aus: seit Anbeginn der Zeiten

© Silke Loser