Wie besänftigt

Wie besänftigt breitet sich die Landschaft aus
vollgesogen von Sommer und Geduld
sieh wie der Wind im Sand spielt
Smaragde im Moos zu tanzen beginnen
und der Horizont Farben in die Gesichter malt

Der Tag ist lang genug
um der Liebsten eine Muschel zu stehlen
oder ihren Melonenhut in den Wind zu hängen
und darauf zu warten dass das Meer
eine schäumende Woge um unsere Jugend legt

Während wir dem Lärm der Wolken lauschen
und die Trauerweide vor Zärtlichkeit überfließt
ist uns als könnten wir die Häuser schlafen hören
während ich mit der einen Faust eine Feder
und mit der anderen eine Träne umhülle

Jetzt ist uns als könnten wir
dem Lärm der Wolken lauschen
voller Zärtlichkeit dem Vergessen huldigen
und dabei zusehen
wie das Meer eine schäumende Woge
um unsere Jugend legt
Erinnerungen beflügeln den trägen Morgen
Während die Trauerweide vor Zärtlichkeit überfließt

© Joke Frerichs

Statusbericht,
liebevoll-beruhigend

Ich hab’ Deine Dellen im Po nachgezählt,
so haptisch und gründlich, grad erst diese Nacht.
Und kann Dir nur sagen: Was Dich da bloß quält,
verstehe ich nicht. Denn ich hab’ rausgebracht:
Es gibt keine mehr und auch keine, die fehlt.

Ich hab’ auch den Flaum dort in Deinem Gesicht
dann heimlich mal wieder sogleich mit vermessen.
Dein Jammern verstehe ich wiederum nicht:
Er hat doch nun völlig wie immer gesessen
und war auch nicht mehr und nicht weniger dicht.

Ich habe die Brüste danach noch gewogen,
hab’ Spannkraft und seitliche Driftung probiert.
Und habe als Schluss aus den Daten gezogen
(ich hab’ sie historisch vergleichend studiert!):
Du bist von Gefühlen des Wandels betrogen.

Zudem muss ich sagen, Du warst doch nie schön,
warum dann die Sorgen ums äußere Bild?
Bei Dir kann letztendlich da nicht viel vergeh’n.
Und sei Dir gewiss, dass entsprechend auch gilt:
Ich werde auch weiterhin stets zu Dir steh’n!

© Jan-Eike Hornauer

Für Bruno in der Sprachbehausung
wie er das Leben dichtet

du bist erde stein und schale
ein wangenmann ein zaungesell
aus wurzeln deine haare
bist kiemen dotter fell
mit der kraft des samens
sprengst schatten du tumult
schaffst erden im gewölbe
aus suppengrün und dunst
reimst küchen küken norden
bist herrlich schräg und fern
hast in dir ein zuhause
aus schnaps gewöll und lehm

© Anke Kuhnecke

Streit

Ich möchte mit dir streiten.
Ich möchte meinen Alltagsfrust
vor deine Füße breiten.
Die Butterdose, die aus Meißen,
möcht ich gegen Scheiben schmeißen.
Ich will dir in den Hintern beißen.

Ich möchte mit dir zanken,
manchmal mag ich dich ermorden
und ich tu es in Gedanken.
Ich reiße Ahnenfotos von den Wänden.
Ich möchte dir die schlimmsten Flüche
auf dein smartes I-Phone senden.

Ich möchte, dass mir deine Klagen
zornig um die Ohren schlagen.
Tränen kann ich schon ertragen,
nicht jedoch, wenn du nur schweigst.
Ich möchte einfach, dass du zeternd,
geifernd, keifend bei mir bleibst.

© Volker Maaßen