Preisvergabe

Im Saal unsere Akademie lüstert
auf kritischen Nachtstühlen das Urteil
im Dienst der Muse Erato verklärt alter
naiv auf dem Platz

die Jury des deutschen Parnass im Glauben
ans Absurde den Preisträger lüftet
einen vergreist erfinderischen Backfisch
der subversiven Kraft

den Gipfel echt homerisch scharf im Visier
die Meisterschaft weiblich-metaphysischer
Dichtung im Preis gebundenen Buchhandel
bei fallendem Laub

mit Blattgold abseits von Klischee und Kommerz
wir lobpreisen die sprudelnde Fülle
der Heiterkeit musikalischen Schreibens
getüfelter Texte

sinnlich atemlos ihre Selbstgespräche
ausgefeilter Prosa das suggestive
Panorama abendländischer Bildung
ohne Punkt und Komma

Absätze schmerzhaft zeitgenössisch zwischen
Lyrik und Poesie die Gattung sprengen in
bildsüchtigen Spannungsbögen lautmalerisch
jedes Wort barock

ein brennender Dornbusch die Sprache
metaphernreich ihr Sehen im Angesicht
des Wunderlichen der Widerhall brüchig
verwirrter Gesellschaft

die Flatterzunge eng an der Wirklichkeit
in höchst sublimer Bedeutungsvollendung
den Ungeist des Augenblicks von Zeit und Raum
am Werk beteiligt

der lebendige Beistand im Schaffensprozeß
tiefer Gedanken über Gedankenlosigkeit
mit dem Zirkonflex hinterm Schlitzohr auch
ihr Kater faustisch

unterm Pult physisch wahrnehmbar der Puls von
Dublin und Danzig polyphon die Lettern im
kafkaesken Amoklauf aus Spruch und
Widerspruch die Würde

der Kunst a priori unantastbar
die Radix uneigentlicher Negation wir
legen dem lesenden Vermögen zu Füßen
unser Heroldsamt.

© Judith-Katja Raab

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