ostermahl

narzissenschnee der nächste tag regenprismen
zerlegtes licht weit offene augen holst luft
tiefen atem grasnarben ausgekohlt rote beeren
zerdrückst du in der maserung des alten tisches
eine flutwelle unter der gestärkten decke
erinnere dich: sie töten lustvoll
schrei trauertrunken verschmäh das mahl

vorjähriges laub umweht die tafel
vom sturm berichten die flüchtigen gäste
verwehten möwen am ende der nacht
wie die feste fallen der jubel hallt
zerlegt die sätze dass niemand dich verjagt
vergewissere dich: sie fürchten die wölfe
gieß schnaps brennend in die klaffende wunde

melancholische kaninchen erstarren im gras
keine linderung die kätzin reißt das stroh
vom stuhl in den zettelkästen lagert die revolution
sätze schicht um schicht tulpenrote lippen verzagt
damals hatte ich zuversicht und angst
entsinne dich: sie werden es tun
im letzten licht reißen die tücher

© Klaus Bölling

das fest

unter dem lavastrom
der rosen das beet between pomp and circumstance
bemalt mit den farben
des sommers: rotgelb gewitter
brennende vokale

sie jubeln und
jauchzen tuscheln und tanzen brüten ihre
träume aus kichern und kosen wie die veilchen heines
weiß flammender

sand in den dein fuß,
plinius, die tagnacht schrieb mit den fliehenden schatten
die menschen warfen sie schlafen
in wissenden steinen

da! regenharfen
rauschen schütten köpfe voll in der luft liegt kratergeruch
herausgeputzte blitze blinken wie fische auf
schwarzer leinwand der sturm hat
lange arme sie fallen um

wie dominosteine
darüber die glühenden eisen der rosenblätter

© Jan Causa

Es gibt ihn

Das sind doch alles ein
seitige eintönige ein
fach gestrickte Schwätzer
die behaupten es sei
normal beim Manne dass
er immer nur das eine
und nur eine Beben
gefährdete Zone habe!

Einsilbige Rolfs, Horsts, Gerts, Berts, Marks allesamt!
Murks allesamt!

Es gibt ihn den femininen
nein nicht schwulen der
wollte ja nichts von mir
Mann der nicht fick
siert ist nur auf die eine
Stelle nein vielmehr scheint er
aus einer Zone ganz und gar
erregbar überall und ero
genial ganzheitlich
gemacht zu sein

Gemach gemach lässt
er sich Zeit lässt er
sich ein da werd ich
schwach tief im Gemach

Herzallerliebster Allrounder ganzheitlich ganz Heiterer
Kum geselle min!

Ihr Schwätzer und Schwafler, ätsch, es gibt ihn!

© Babette Dieterich

Neuja

Das neue Ja fängt immer so nett an,
kein Nein, kein Jein, nicht mal ein Solala.
Ein Feuerwerk aus Vorsätzen scheint klar.
Wir prosten, prahlen und es ist was dran:

am Anfang tut noch jeder, was er kann.
Doch spätestens im nächsten Februar
stellt sich die Frage, was der Vorsatz war.
Es kommt wohl nicht mehr so genau drauf an.

Jetzt ist noch Januar, das ist mein Glück.
Mit Zeit und konzentriertem Hirngeschick
fällt meinen Zellen sicher wieder ein,

was ich beim Neujahrsgruß mit Sprudelwein
den Gästen als mein neustes Tugendstück
versprach. Ab morgen werde ich so sein.

© Elisabeth Drab

Tanze mit Raketenschuhen

Der Weltkulissenschieber stapelt die Patente tiefer,
die Kunst der Zentrifuge, unter Hochdruck der Ideen,
bringt Zeitzahnräder unter in dem schiefen Zahnradkiefer,
wo sie trotz der Reibung Kraft sich leise surrend drehen.
Er beschleunigt nun das Drehmoment in vierzehn Arbeitsschritten,
das Mozartkugellager und die Baumkuchenmaschine,
im Anzug, schneidgebrannt und dazu wasserstrahlgeschnitten,
und nimmt die Walze und die Kolben gegen die Routine.
Das magnetische Moment wird seine Dienste tun, nicht ruhen,
das ist ein Rechnen, Reifen, Feilen, Schaffen, Schieben, Schöpfen,
geh, feier‘ den Erfolg und tanze mit Raketenschuhen,
tanze himmelweit im Bogen über ihren Köpfen.

Hier noch ein Kopf, in dem die Räder ineinander greifen,
hier steht die Mutter aller Schrauben hoch im Kurs, im Regelkreis,
wird jeden Schlagbaum unsichtbarer Grenzen einfach schleifen,
zu viele Räder drehen sich bereits allein auf ihr Geheiß.
Verstummt sind Schall-Emissionäre, Kolbenfresserinnen,
das Bild verlässt allmählich seinen festgesteckten Rahmen.
Die Ansichten verändern sich nach außen wie nach innen,
Dynastien von Dynamos tragen künftig ihren Namen
während Reichsbedenkenträger in den alten Truhen ruhen.
das ist ein Rechnen, Reifen, Feilen, Schaffen, Schieben, Schöpfen,
geh, feier‘ den Erfolg und tanze mit Raketenschuhen,
tanze himmelweit im Bogen über ihren Köpfen.

© Alex Dreppec