Nachtmelodie

wenn Glocken fern und alt verklingen
die letzten Vögel nicht mehr singen
nur Grillen zirpen noch ihr Lied
wenn kühler Hauch nach heißem Sengen
erlöst vom Licht und seinem Drängen
und tief erschöpft der Abend flieht

wenn wieder träumen lernt die Erde
sie gähnend hebt zur Schlaf-Gebärde
die Hand des Mondes hoch empor
wenn altes Wissen sich im Düster
der Nacht mit wisperndem Geflüster
geoffenbart hat und verlor…

dann lernen auch die lang Erstarrten
die jeden Tag auf morgen warten
wer Wort und Weinen längst vergaß
zu summen sich – schon beinah trauernd –
die Melodie die fast erschauernd
ihn dann durchweht: von Kuss und Wein und Gras

© Karsten Paul

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