johanna

»tödlich ist’s, der jungfrau zu begegnen«
die jungfrau von orleans, schiller

du sitzt allein die kalte wand im rücken
in enger schrift auf dem stein die traktate
aus der stadt klingen die glocken herüber
niemand weiß künden sie jubel oder gefahr
dann fürchtest du die barrikaden aschschwarzes wasser
rinnt über das pflaster dir zwischen die zehen
reib die worte von der wand die schmerzen wie krieg

der fluss trägt das morgenlicht aus der stadt feuerspiegel
früh erschreckt brachen die herden auf von ihrem lager
am ufer rotten sich die verlassenen hunde zusammen

du stehst in diesem kahlen wald es ist bereits winter
dieses schweigen dieser unerbittliche schnee
darunter das gras darunter die abrupt endenden spuren
mit blutroten händen schreibst du krieg krieg immer wieder
da hat die stimme längst versagt die hunde heulen
jagen ihre mondschatten als die barrikaden brannten
war es warm für einen letzten augenblick

© Klaus Bölling

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