Giulia Lama (1681–1747)
und der venezianische Reiseführer

Giulia, nicht die aus Verona,
sondern die aus Venedig.
Ihr Romeo heißt Rodolfo P., ein Liebhaber
der Kunst im vorigen Jahrhundert.
Er entdeckte in einem Reiseführer von 1733
Kirchen-Gemälde der unbekannten Giulia Lama,
fand eine Kreuzigung in San Vidal
und eine Madonna in Santa Maria Formosa.

Überwältigt von der Kraft und dem Mut:
Giulia Lama – offensichtlich eine Künstlerin,
die es wagte, männliche Körper
spärlichst bekleidet zu malen.
Der Kunstliebhaber durchkämmte Märkte und Museen –
ein Skizzenbuch der Malerin fand sich. Und Gemälde,
die den Entwürfen entsprachen, doch
Namen männlicher Maler trugen.

Denn Giulia Lama war fast 200 Jahre
vergessen in der verriegelten Gruft
des Neides und der Lügen.
Bis ihr Romeo-Rodolfo, den alten Reiseführer
in der Hand, die Tür
zu ihrer Kunst wieder öffnete.

© Salean A. Maiwald

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