Die Frauen von Magadan

Eine Frau zu sein in Magadan heißt träumen.
»Ich wünsche mir endlich wieder einen Mann«, seufzt eine Frau aus Magadan.
»Schnarchen darf er, alt sein darf er. Ich werde ihm die Füße reiben,
die Hände streicheln. Ich möchte einmal wieder in ein warmes Bett …«

Die Frauen von Magadan sind von acht bis fünf berufstätig.
Davor und danach stehen sie Schlange, putzen und kochen.
Oft noch unter der Fuchtel der Mutter ziehen sie ein, zwei
Kinder groß. Von welchem Mann? Wo ist der Mann?

Die Frauen von Magadan gehen alleine tanzen. Sie singen
und locken die Männer. Die Männer haben Angst
vor den großmundigen Blumen auf dem Tanzboden. Sie leben –
gibt es ein Wort für die Art, wie sie leben? Wild ist zu edel.

Die Frauen aus Magadan gehen fischen und säubern Kaviar
(der Kaviar aus Magadan ist in Japan sein Gewicht in Gold wert.)
»So helft uns doch«, rufen die Frauen. Die Männer hören nicht.
Eine Frau zu sein in Magadan heißt träumen.

© Uta Regoli

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