Des Mannes größte Freude

Des Mannes größte Freude ist,
wenn unberührt und duftend frisch,
sie vor ihm liegt auf seinem Tisch.

Dann nimmt er sie mit Fingerspitzen,
beäugt versunken Blatt für Blatt
und niemals hat er sie je satt,
von Politik bis zu den Witzen.

Genüsslich zelebriert er tonlos
dies morgendliche Ritual,
Wer bei ihm ist? Ist ihm egal.

Der unbemerkten Frau Gemahlin
ist die Gazette stets ein Dorn
im Auge. Darum greift sie voller Zorn
zu einer Schwester der Rivalin;

nach einer Schrift, die nur »FÜR SIE«.
Nun raschelt Eintracht hinter Seiten.
Wer liest, dem fehlt die Zeit zum Streiten.

© Bärbel Wolfmeier

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