Nachtmelodie

wenn Glocken fern und alt verklingen
die letzten Vögel nicht mehr singen
nur Grillen zirpen noch ihr Lied
wenn kühler Hauch nach heißem Sengen
erlöst vom Licht und seinem Drängen
und tief erschöpft der Abend flieht

wenn wieder träumen lernt die Erde
sie gähnend hebt zur Schlaf-Gebärde
die Hand des Mondes hoch empor
wenn altes Wissen sich im Düster
der Nacht mit wisperndem Geflüster
geoffenbart hat und verlor…

dann lernen auch die lang Erstarrten
die jeden Tag auf morgen warten
wer Wort und Weinen längst vergaß
zu summen sich – schon beinah trauernd –
die Melodie die fast erschauernd
ihn dann durchweht: von Kuss und Wein und Gras

© Karsten Paul

die wir sind,

sind flügelschlagend die welt verzaubernd
in die mythen eingehüllt am SCHREIBTISCH
wissen wir um das schöne gewebe homers
von troja achill agamemnon

SCHÖPFEN im weben der welten unsere rechte ab
vom gleichklang des erzählten
feiern ewig die muster
erfinden von ODYSSEUS bekränzt unsere irrenden:
ihre reise als auftrag

oder wohnen über den WEGEN der heroen
im keim des roten fadens explodiert ein funke der freude

sind ziervögel, die fiktionen schaffen
wie SEELENNESTER heimelig

nutzen den vorrat der jahrtausende
der knoten wurde geschürzt seit GILGAMESCH
im umherpurzeln der alten geschichten erfinden sich unsere

sind anderweltig HYMNEN schreibend
haben den lorbeer der kunst:
ewig zu schaffen apollinische träume

© Christian Peitzmeier