Laternenfest

Das Gesicht papierdünn an der Wand –
leichenblass, wie die leeren Bilderrahmen
der letzten Tage. Du nimmst dich selbst
stückweise von der Blumentapete,

faserige Veilchen fallen neben meinen Wangen
auf das eingeschneite Parkett und die Fenster
beschlagen vor deinem Blick mit den Weiten
deiner Schneeflockensehnsucht. Stumm

schreien meine Hände dir an die Schultern,
doch dein Schlüsselbein wirft kein Echo
mehr. Dein Rückgrat zittert nur leise
im Rhythmus der Nacht und wir stehen

an den milchigen Glasscheiben
unserer Emotionen, die sich samt
den wärmenden Laternen der vergangenen,
lauen Frühlingsnächte von uns abwenden.

Wir zierten die Terrassen
der verlassenen Städte
nur für einen
Zyklus.

© Natascha Huber