Wein, Weib, was sonst?

Mein Zimmer im Hotel ist klein.
du fragst, ob mir was fehle?
Nein, nein, mir geht es prächtig, fein,
und rein ist meine Seele.

Bin ehrlich ich, mir fehlt der Wein.
Allein, ich nicht verhehle,
und ohne dich ich lass ihn sein,
hier trocken bleibt die Kehle.

du fehlst mir halt, mein Sonnenschein,
nicht nur in puncto Kehle,
drum zieh ich mir was andres rein:
bezahlten Porno-Tele.

© Weinrich Weine

weißt du noch

weißt du noch
als wir im Nebel
der dünnen Herbstsonne
die Wasserstadt entdeckten

wir lebten in einem Palazzo
üppig prachtvoll
sind Glaube Liebe Leid
in die Wände gesickert

während wir am Fenster
uns nah bei uns waren
schauten standen staunten
sahen hinter die Fassaden

gingen an dunstigen Kanälen
sponnen aus zarten Weben
warme Umhänge
uns um die Schultern zu legen
am Abend war es schon frisch

mischten unsere Spucke
(erst später unser Blut)
und schluckten sie tief
bis ins Herz

möge im mild feuchten Klima
innendrin
aus neuem Beginn
etwas gedeihen das bleibt

© Silke Wachter

Single

Donnerstag abend
Ausfall einer Veranstaltung in M.,
Weiterfahrt nach K.,
dort ungnädiger Empfang durch D.,
die mit Grippe im Bett.
(Soll vorher anrufen.)
Allein zum Italiener,
dann Bahnhof (PAM).
WIENERWALD-Bier, danach Rotwein und
Magensäure (Gastritis).
Frischluft im Park
(hier gesessen mit D. im Juni),
Schloßbeleuchtung und Mond.
Kreisender Himmel über mir,
wieder Gedanke an Suizid und
Versicherungsbetrug.
Um Mitternacht Ratskeller (Mâcon),
Gegen 1, letzte Chance (IGEDO),
Hotel Prinzregent (70 Mark).
Ohne Dusche ins Bett,
drei Betadorm und gekotzt.
(Morgen nach St., 11 Uhr Termin.)

Im Einschlafen denke ich
an meine Frau, die seit zwei Jahren
mit den Kindern in B. lebt,
und formuliere
eine telepathische Botschaft an D.:
Love you.

© Theodor Weißenborn