Windgeflüster auf der Haut

Der Tag begann zwischen
unsere Füße zu laufen, ich
hörte bereits dein Lachen.
Du hattest dem Himmel
die Sonne entwendet,
mich wiegend in Kaskaden
feucht plätschernde
Neugier gelegt und
mit dem Umhang des
Windes getrocknet.

Alls was mich bewegte
floss in dich.

Der Süden ließ uns mit dem
Streifzug der Wärme
verschmelzen. Wir liefen
barfuss im Sand, voll prickelnder
Erregung. – Lange noch
schwebte über dem Flussbild
ein Hauch heitere Lust. –
Fast zerdrücktest du mich
in diesem Dialog, der
nur vom Herzschlag lebte.

Immerzu wollte ich dich
fühlen, riechen.

Deine Sommersprossen
auf der Nase machten
eifersüchtig, weil sie Dir
ganz nahe waren, darin
begegnete sich unsere
Sinnlichkeit im Kontakt
pulsierender Sprünge und
Sterne wanderten nachts
über unser Flüstern, sie
entwendeten, das Gesagte.

© Renate Schön

Berlin I-V

I
Im Gepäck bestehen alle Briefe. Mein Bauch tut furchtbar weh. Ich verstehe nicht, was mit mir passiert. Bitte. Doch. Verlass mich. Nicht: Nimm meine Hand, nimm meinen Arm und halt mich bitte fest. Lass uns hier stehen bleiben, bis es wieder besser geht. Wo, woher, wohin – warum läufst du immer, warum läufst du vor mir weg? Leg deine Hand auf meine Brust und fühle, wie die Saiten schwingen – wenn du das ertragen kannst. Die Schwingung reißt in deine Handfläche und brennt auf ihrem Weg. In meinen Augen steht der Schreck, denn es bleiben meine Töne.

II
Heute bist du unausstehlich. Zum Frühstück isst du Weißbrot. Am liebsten schaust du dich im Spiegel an und gibst so manchen Witz zum Besten. Du hast dich köstlich amüsiert. Ich war dabei, ich darf das sagen. Du führst dein Ein-Mensch-Theater auf dem Gehweg auf und manchmal verrutscht dir dein Lachen. Schubiduh, wie komisch du doch bist! Ich würde dir gern deine Maske abnehmen, aber ich bin nicht stark genug. Wer bezahlt für diesen Auftritt?

III
Ich strecke meine Hand nach dir aus und greife vorbei. An dir vorbei. Voller Vorwürfe. Wie soll man das verstehen, was soll man da auch finden? Wenn nichts zu hoffen bleibt. Ich bin dir zugewandt und du bestrafst mich mit deiner Nähe, die nur nach Nähe klingt. Du bist nicht von mir gefangen. Im Gehen wird alles abgelegt. Dort bleibst du. Hier bleibe ich.

IV
Die Schlacht ist längst geschlagen. Niemand hat gewonnen. Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. Es gibt keinen Dritten. Du bist gegangen. Du hast dich aus der Verantwortung gewunden, hast nicht geantwortet – das Wort wäre: gewesen. Du versteckst dich hinter vielen Farben. Ich empfinde Mitleid nicht für dich. Ich greife nach dem nächsten Zug. Die Erinnerung verdreht sich nach dir.

 V
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© Regina Schreiber