Die Liebe

Die Nacht lag schwül vor dem Haus
die Liebe drang durch das Fenster ein
Wir nahmen sie ins Schlafzimmer
zwischen den Körpern aus Schweigen
und Schweiß

Im silbernen Kleid bunt bemalt
wir nannten sie Admontblume
wir schoben ihr Liebesfloskeln ein
leckten den Bauch die Haare und Haut
dies gefiel ihr

Wir hielten sie fest drehten um
drückten sie in die Matratze stumm
dies gefiel ihr

Nach Mitternacht begann sie zu brüllen
war nicht zu beruhigen
ich forderte von dir sie wegzuschicken
du weigertest dich
Da zog ich den kurzen Rock an
und kehrte der Nacht den Rücken

© Irena Habalik

rondo

wir konnten es nicht lassen
uns zu lieben und zu hassen.

wir haben es bunt getrieben,
uns in die nächte eingeschrieben –
was ist davon geblieben?

– szenen für eine nostalgie
an tristen tagen, wenn irgendwie
der antrieb fehlt, die energie.

was haben wir gelacht, geweint,
uns zerstritten und wieder vereint:
„verzeih, war nicht so gemeint!“

wie weit sind wir geflogen
und haben oft den bogen
überspannt – uns belogen …

wir hatten uns aufgerieben
beim hassen und lieben.

© Thomas Hald

überlebenskünstler

erdlastig zwischen uns das gesagte
wie durchschlagen der himmel
kollern worte überrollen uns bis wir
einfach liegen bleiben bloß und wund
selbst waldschnecken sind schneller
sie ziehen weiter im schlamm
mit ausgestreckten fühlern

© Vera Heimann

Liebe macht blind

LIEBE MACHT BLIND (und vorübergehend

taub, auch wenn das hier zu vernachlässigen
ist), mit kleinen schritten tasten wir uns durch
die wohnung, zentimeter um zentimeter, der

langstock das pendel unserer lust; schrammen
pflastern wir mit küssen, die blutung stillen
wir mit honig, der uns samt bienen glücklich
in die münder fließt / die rosaroten brillen ohne
zuzahlung (robert hartlauer rät: tigern sie zum
löwen), hair peace, vor allem auf dem rücken

– wen juckts? // wir sehen uns mit dem herzen,
wo man doch angeblich eh am besten mit dem
herzen sieht, zeit & raum ohne jede bedeutung

© Stefan Heuer