Irrfahrt im Schrank

Seele blutet Körper aus
mit durchsichtigen Augen
aus deiner Stille hinaus
Herz reißt Haut auf
Mund trocknet aus
Tränen die rot färben
mich nur trösten mögen
aus dem Nichts beginnt Leben
Schlägt munter Purzelbäume

Dein ganzes Wollen
Tötet dein Tun
Erschlagen vom Haben
Ohnmächtig im Sein

Soll sich doch Leben verwirren
dich leise einlullen
Ziellos ins Schwarze treffen
Gedanke den Kobold fraß
Soll alles was gestern war
Aufgeblasener Rauch sein
Zu gar nichts führen
Mantel im Schrank fein
nutzlose Hülle sein
allein

© Martina Gassmann

meine küsse

ich habe so viele küsse
gesammelt für die nacht
die will ich alle träumen

von den lindenbäumen tropft
schwer die sommertracht –
ich werde diese nacht versäumen

meine küsse fallen
auf entblößte haut
das schöne haar

ist längst schon abgetragen
und ergraute tage lagern
am gedankenboulevard  zerfallen

nur deine stimme trägt mich
sanft wie sommerregen
und vertraut

ich wollte dir immer
das liebeswort sagen

© Angela-Marcella Gerstmeier

Die Hortensie

Wie ein Traum stehst Du da
In den Gärten der Lust
Du wehest im Wind
Verschwindest
Gebierst einen blauen Gesang,
Der die silbernen Saiten
Meiner stillen Seele streift
Du Traum!
Du blühendes Wunder
Wie gerne würd’ ich dich pflücken..

© Daniel Gerzenberg

Castle

Löwen bewachen das Tor
alle Igel hören aufs Wort
stellen die Lanzen auf
wenn deine nackten Füße
die Gräben passieren
lässt sie ein Anflug
von Winterschläfrigkeit
das Geklimper
deines Schlüsselbundes
Als Herrlichkeit verstehen
und die Löwen lecken
dir die Füße warm

© Ingrid Glienke

Kleine Kirmesballade

Ich fand in meiner Manteltasche
ein klitzekleines Weib.
Das sprach: Ich bin für dich zum Naschen
sowie zum Zeitvertreib.

Aus Zucker, Eiern, Marzipan
und süßesten Rosinen
lag sie vor mir und sah mich an.
Sprach: Du darfst dich bedienen.

Sie heiße übrigens Susann
geknetet voller Liebe.
Der Hinweis sprach mich seltsam an.
Wo sie denn heut Nacht bliebe?

Ich hob sie hoch und roch an ihr
und brach sie längs entzwei.
Ich knabberte am Drum und Dran,
sie kicherte dabei.

Da schlug die Uhr, es machte plopp!
Ich biss verliebt ins Kissen
und wachte auf mit dickem Kopp.
Das Weib werd ich vermissen.

© Andreas Graf