haiku

1.

fünf / sieben / fünf – so
hat sich das haiku fast wie
von selbst geschrieben.

2.

nur siebzehn silben –
und eine welt entsteht in
diesem augenblick.

3.

wenn dir der moment
versüßt wird mit drei zeilen:
fernes japan grüßt!

© Thomas Hald

Nur leere Hülle

Rosen
im Erblassen
unbenetzt
vertrocknend
sind ohne Leben

Verströmen
ohne Duft
nur leere Hülle

Inspiration
ohne Blühen
gleicht vergilbtem Buch
aus alter Zeit verbannt

Blätter sinken in den Staub
und schwebt nicht eines davon
leicht in den Schoß
zart gehaucht
getreu

bleibt selbst Erinnerung
nur leere Hülle

© Sigrun Maria Hassel

Buch-staben

Wo Herzen
denken, lenken, schwenken,
wecken Worte wieder andere.
Zwischen Zwist und Zeitrauschen.

Leichte Vokale
treffen, teilen, trennen und twittern
sich mit Konsonanten kontra Komma
und auch Silben
bilden kleine Bedeutungen.

Finden sich in stillen Flüssen
reicher
Sätze wieder.

Fließen
mal rauf
und
mal
runter.

Bunter Klunker sowie auch Plunder
stiefelt, zitiert und schreibt
munter drauf los.
 
Texte drechseln sich ins
Oben Unten
ohne hinab.

© Katja Heimberg

Vesper

ich lese nach(-) wie vor( )geschichten
aus der hand und
reste meiner »prinzenrolle, die
längst gegessen ist«, aber
nicht spurlos verschwunden

ich schlage mir endlich
die krümel aus der hand, aber
nicht aus dem kopf,
auf plätzchen an der sonne zu verzichten

© Eyk Henze