Traumautor

Er tagt im Raum,
der Tagtraum raunt
vom Wasser, vom Wort,
von den Wörtermeeren.

Ihn schreckt der Ozean und
zieht ihn an.

Er kauert, lungert,
lugt am Kai.
Dann Wortwasser: dort,
auf der Zunge, Junge,

komm bald wieder.

© Rolf Birkholz

buch, alt

das licht aus dem glühfaden in die zeilen gebrannt
in der vergangenheit. wärme diese sehnsucht

zwischen den seiten verwachsen gepresste blüten
aus einem anderen zeitraum stockflecken zerfasernd
eine landkarte. diesen ort hast du verlassen
die erinnerung diese kargen worte vor dem punkt

© Klaus Bölling

Jochen

Ja, das Dichten steckt dem Jochen
tief im Hirn und in den Knochen.
Schreibt Gedichte (mehr fürs Ohr)
und er trägt sie gerne vor.

Jochen käme ganz groß raus,
über Erkelenz hinaus,
wüsste nicht nur Erkelenz
von der Dichterexistenz.

Doch er ist für Funk und Presse
von geringem Interesse,
weil der Teufel, wie es heißt,
auf den großen Haufen scheißt.

Ob er schlecht schreibt oder gut,
ist als Frage nicht akut.
Denn er ist nicht existent,
weil kein Schwein den Jochen kennt.

Um in Zukunft hier auf Erden
als Poet bekannt zu werden,
müsste Jochen, wie gemein,
was er werden will, schon sein.

Ja, noch größer ist die Tücke:
Wo er fehlt, ist keine Lücke! –
Trotz der Tragik sieht er Licht:
»Daraus mach ich ein Gedicht!«

Und mit Verve und Präsenz
liest er vor – in Erkelenz.

© Peter Borjans-Heuser