Weihnachten

Das Champagnerglas ist leer,
nun muß der Weihnachtsbraten her.
Und in wilder Fleischeslust
Stürz´ ich mich auf die Gänsebrust.
Fett löst sich in Alkohol,
du bist mein Freund, ich weiß es wohl.
Doch nach der zweiten Flasche Rotspon
Hab´ ich im Ohr so‘n schrillen Pfeifton.
Geist und Materie sind entkoppelt,
seh´n tu ich sowieso schon doppelt.
O Jesulein in Deiner Windel,
wär‘ bloß nicht dieser dumme Schwindel,
hätt‘ ich Dich – jetzt hilft nur noch beten –
ganz bestimmt auch nicht zertreten.
Und der prächtige Weihnachtsbaum
stände senkrecht noch im Raum.
Gemeinsam mit den Krippentieren
bin ich nun auf allen Vieren.
Glotzt nicht so, ihr blöden Hammel,
Junge hab‘ ich einen Bammel,
den schönen Teppich zu bespeien –
Maria würd´ mir nie verzeihen.
Doch dann gerettet an stillem Ort,
beherzige ich des Herren Wort,
daß Geben seliger denn Nehmen.
Ich sollte mich wohl wirklich schämen.

© Klaus-Henning Krause