tantra

gestern war es dann passiert
tief im becken leicht anal
wurzel chakra war blockiert
oder war es das sakral –?
bänderscheibe lag wohl quer
jedenfalls ging gar nichts mehr
und das prana kann nicht fließen

ist der meister dann gekommen
hat der lotusblätter vier
einfach in die hand genommen
weckt das lebenselixir
mittels yoga pranayama
schüttelt dann des granthi brahma
kundalini will jetzt sprießen

legt mich nun wie pflug und fisch
einmal länglich auf den tisch
und mit ayurveda öl
bei archaischem gegröl
rüttelt er die eingeweide
dass der körper nicht mehr leide
alles soll sich grade renken

dass sogar der solarplex
besser wird mit ganz viel sex
hatte ich noch nicht vernommen
zwanzigmal bin ich gekommen
durch die innere tortur.
jetzt mach ich ne yoga kur
in des buddhas angedenken

© Franziska Röchter
Aus: »hummeln im hintern«,Poesie 21 bei Steinmeier, Bd. 32

Wie geht die Liebe im Alter.
Eine Vertrautheit

Ein Schäumen im geschlossenen Gefäß
dein müdes Auge

kann sich nicht mit jeder Linden
Blüte messen lassen noch verschließt die Kälte
der Nacht die Achsel
Höhlen wir spielen leicht gerötet

von Schüchternheit den Sommer durch auf unsrem Weg

ins Bad indem wir nackt die Schuppen
von den Schultern fegen wie verbrannte Haut
dann lassen wir gebückt
die Altersflecken auf der linken Handtuchseite sagen

daß heute Waschtag sei einander abgewendet weil
jeder auf dem Fliesenboden

seine ausgefallenen Haare zählt ein ganzer Fuß
Weg sagst du sei der letzte Schritt
in deine Filz
Pantoffel ohne daß sogleich ein lautes Klopf

Geräusch entsteht

© Knut Schaflinger
Aus: »Flüchtige Substanzen«,Poesie 21 bei Steinmeier, Bd. 30

Solange Zeit bleibt

Beachte
die Gegenstände, die dich umgeben
Tassen, Teller, Bücher, Bilder, Sessel.
Schau, wie sie dich umlagern,
Begleiter an langen Abenden.

Manchmal knisternd,
Träume aus Papier
dann wieder hart und glänzend,
Requisiten, Kulissen, Verkleidungen
begrenzter Hoffnung.

Die Chrysanthemen verlieren die Blätter
im langsamen Nachmittagslicht,
der Herbst aber wartet noch,
wendet sich ein letztes Mal um,
zögert, das Rot zu entzünden.

Noch einmal
füllst du das Glas.

© Bodo Kirchner
Aus: »Leichtes Strandgut«, 
Poesie 21 bei Steinmeier, Bd. 29