ostermahl

narzissenschnee der nächste tag regenprismen
zerlegtes licht weit offene augen holst luft
tiefen atem grasnarben ausgekohlt rote beeren
zerdrückst du in der maserung des alten tisches
eine flutwelle unter der gestärkten decke
erinnere dich: sie töten lustvoll
schrei trauertrunken verschmäh das mahl

vorjähriges laub umweht die tafel
vom sturm berichten die flüchtigen gäste
verwehten möwen am ende der nacht
wie die feste fallen der jubel hallt
zerlegt die sätze dass niemand dich verjagt
vergewissere dich: sie fürchten die wölfe
gieß schnaps brennend in die klaffende wunde

melancholische kaninchen erstarren im gras
keine linderung die kätzin reißt das stroh
vom stuhl in den zettelkästen lagert die revolution
sätze schicht um schicht tulpenrote lippen verzagt
damals hatte ich zuversicht und angst
entsinne dich: sie werden es tun
im letzten licht reißen die tücher

© Klaus Bölling