Berufsberatung

Heute war Berufsberatung.
Lieber Papi, hör mal her:
Alle diese Scheiß-Berufe
sind mir leider viel zu schwer.

Fotograf sein ist beschwerlich:
Lichtverhältnis, Blende, Blitz.
Ich brauch irgendeine Sache,
wo ich bloß zu Hause sitz.

Augenblicke konservieren,
einfach so, spontan, ad hoc?
Ich will später eine Arbeit,
wo ich bloß zu Hause hock.

Journalist sein ist ermüdend:
Leute treffen, Meinung, Schreibe.
Ich verlange eine Stellung,
wo ich bloß zu Hause bleibe.

Recherchieren, Formulieren,
wäre das mein Lebenssinn?
Ich erwäge jenes Handwerk,
wo ich bloß zu Hause bin.

Hundertfünfzig Angebote
machte der Berufsberater.
Ich erstrebe ein Gewerbe,
wo ich bloß zu Hause – Vater,

ich will gerne Dichter werden.
Hör verdammt noch einmal her:
Ich will nichts als Dichter werden,
weil ich dann zu Hause wär.

© Andreas Schumacher
Aus: »Herr der Möhren«,
Poesie 21 bei Steinmeier, Bd. 11

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