Auswärts erwachen

Die Berge könnten
uns den Himmel beschriften –
säßen sie nicht gedanken-
verloren im Hochnebel,
wären ihnen die Spitzen nicht
gebrochen im Morgendunst. Die Stadt
hebt langsam an, flügelschwer
noch von der Nachtkälte. Flaneure,
wir, buchstabieren uns
durch einen Schilderwald, gegenseitig
anvertraut. Berühren uns
schlafweich die Passanten, tragen
ihre Sprache fremd vorüber. Wortweise
bleiben uns Fetzen hängen
an gespitzten Schultern: Kettfäden,
Schussfäden – ein Text. Gewebe,
das uns einwickelt. Allmählich
lesbar: die Bergschrift.

© Christiane Schulz

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