Heute ist heut!

Laß der Zukunft Ihre Sorgen,
Grüße froh den jungen Tag,
Frag’ Dich nicht am frühen Morgen,
Was der Abend bringen mag.

Freu’ des Duftes Dich der Rosen,
Eh entblättert ihre Pracht.
Linden Lenzes sanftes Kosen
Wähle Dir zur Liebesnacht.

Laß mit Wein die Becher füllen,
Schäumend kreise der Pokal,
Und am Winterherd, dem stillen,
Würze Dir das Liebesmahl.

In des Sommers Sonnengluten
Labe Dich am kühlen Wein.
In des Meeres Silberfluten,
Tauch’ den müden Körper ein.

Wenn der Herbst mit gold‘nen Tagen
Schreitet über Feld und Au‘n,
Laß Dein Herz mit leisen Schlägen
Gottes hohe Wunder schau’n.

Laß des Jahres Zeiten ziehen;
Lob’ die Liebe, lob’ den Wein.
Jeder Tag hat seine Mühen:
Trinket aus und schenket ein!

© Carl Christian Gudewill

Der Weinkönig in A-Null

Der Asphalt mittels Brücken übers Wasser
unsere Decken berühren sich Sie sieht mich
nicht morgens im Reisenebel erspäht mittags
die Grenze Überquert sie sieht nur sich ich
fall nicht auf Innenleben vibriert wir Rattern
über den Fluss ich saug am Kaffee interessiert
sie steht auf und Weist mein Ende fremde Luft
am Nachmittag wo regiert der Weinkönig In
A-Null an der Säule ohne Gebälk weiter durch
Alleen immer hinterher Direkt zum Markt
Tomate Aubergine Orientierung Salate
Baguettes und Paté man erwartet mich zur
Konferenz allein ich bin spontan verhindert
Thunfisch Rosé alles lindert alles passé nur
ein Mahl am Ufer mit Sicht Auf Wasser unter
Sonne die Kähne wie Treibgut hinten wartet
ein Zug Tutet zurück ein Blick sie will mich
nicht aber ich tu als ob wir feiern zwei
Schluck und noch ein langer krönt das Paar

© Jonis Hartmann

Wilde Brombeeren

Ein Riss in der Armhaut, tief;
sichtbar, immerhin. Einen anderen zu sehen, macht
Bewegung, die ihn machten,
zum Jagdwild. Ihn in der Rolle der Schlucht

zu sehen. Sie hofft uns zu brauchen – bis zum Ende
das Ende – schafft es aber
nicht, die Augen zu öffnen, die sie sehen. Meint
nur: Blüte im Licht, Abbild

im Schatten. Labt sich, verschluckt sich daran.
Was aber war – denn überhaupt – da, anfangs
nämlich, bevor du zurückschrakst? Bald schon
Ereignisdichte, Konfettikanonen

und, ohne (Bedarf) wiederzukehren: ein Wegsehen – selbst
abseits der Wegweiser, im Wald, wo Rost, übermoost,
auf trotzigem Ackergeräten … Ein Wegsehen – hingebeugt
dem Hurra eines Steinchens

Eile im Schuh: Eile, die Zeit anzurempeln, die Zeit
und die Antworten (in goldbeschichtete Pappfetzen geritzt),
die sie herschwemmt, nicht weniger als gestern. Gut so,
nicht? Kunststück, was sonst? Kaum dass weniger verwirrend.

© Dieter Hischmann