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das Licht ist trotzdem zu milde
die Räume zu flimmernd
die Orgel ist ein Gitterwald
ohne ihn
den Solopianisten mit der einen blutenden Lippe

auf die Länge
hältst du an dir fest
die Ausgangsposition der Knochen
insgesamt zwei hundert und sechs
musst du auf die Reihe bekommen

wenn du die Lippen gegen den Spiegel drückst
starren sie dir ins Gesicht

wie leuchtende Knie
mit Spuren nach Kindheit
ragen sie aus dem Finstern hervor

© Eva Botofte

Der Gehilfe

Der Gehilfe des Fährmanns
Hat Pause bläst Qualm in die
Widerwelt sieht Treibholz
Ziehen auf der Donau Tiere
Schwarz mit spitzen Zähnen

Steigt zurück auf die Fähre
Ein paar Forint zu verdienen
Zieht ein Seil aus dem Wasser
Vertäut das Schiff tausendfach
Geübter Schwung

Niemand sieht es

© Bernhard Brack

der Untermieter

Haus und Werkstatt
hat er auf der Fensterbank
heißt: er wohnt und arbeitet da
es scheint, er lebt allein und
zurückgezogen – man sieht ihn
kaum – in der Scheibe Baum
mitgebracht aus dem Wald
(seine Welt ist tatsächlich eine)
(was ihm egal ist, Hauptsache Holz)

ich höre ihn, wenn ich noch
leiser bin als er
er schläft glaub nie
er ist ein Er
ich stelle ihn mir klein und
drahtig vor

Holz hat er ganz
zu seiner Sache gemacht
Herr und Knecht in einem
rechenschaftspflichtig keinem
und so und nicht anders
wollt er es haben, als er es hat

© Anna Breitenbach

Schlafes kind

Vor dem schlaf verheißt sich, was wahr ist, ein einziges mal
Als wollte es dem gesprochenen einhalt gebieten
Jeder ort ist ein fremder ort, und die bilder folgen mir
Wie einem entlaufenen hund, dessen schnauze grau wird
Ich bin geboren in hast, kenne nur das sterben der andern
Und weiß doch um das land meines flusses
Mit dem ich um die wette lief, bis er sich unter der strasse verlor
Autos rauschten vorbei, und einmal stieg ein segelflieger über die dächer
Im sommer nahm sich keine note, kein elterlicher streit den trost
Und das staunen, das größer war als ein erhofftes, enttäuschtes leben
Schlafe mein fluss, ruhe in der zeit, trage
Den duft der pfirsichbäume, den das kind vom schulweg mitbrachte
Weil es wahr sein wollte, weil die dinge ja zu ihm sagten
Sie riefen, komm her zu mir geh aus von mir
Daß du mich nicht vergißt und ich dich
Längst vergangen, noch bewahre

© Martin Bührig

Henryk

je weiter der Schatten
fällt vorm Handelspavillon
desto höher der Pegel
im Blut stockt der Wodka

sieht er das Leben nur
durch die Flasche
der kleine Junge
versteckt im

alten Mann wenn
er benommen seine
Kinderstube hört
wird er laut

© Norbert Büttner