Turandot

Dreizehn mal hab ich gelacht
als der Kopf fiel
und die Begierde
und der Mann
in den Sand
Turandot lacht bei Vollmond
über Männer und den Hundeblick
und weiß sie beißen zerfleischen
die Schwachen

wieder dreimal der Gong und da
steht einer mit Löwenblick der ist
Sonne der weiß
meine Fragen der hat
in der Seele meine Hoffnung
hat im Herzen mein Blut
wirft Alchimistenbrand auf den Grund
meiner eisigen Schwärze
die kocht und rast und wallt und
klärt sich zum
ich bin
Turandot

© Gisa Kossel

26. September 1983

ein Hoch
auf Stanislaw Jewgrafowitsch Petrow
den Ingenieur
den nächtlichen Hüter des Kosmos
der zwei Minuten lang
seinen klaren Kopf
hinhielt und auch behielt
der das sicherste System
nicht für fehlerfrei ansah
der den eigenen Schlüssen mehr
traute als der Rechenmaschine
der lieber gegen Vorschriften verstieß
als gegen den Verstand
der nichts tat
und alles rettete

ohne ihn
hätte ich nicht einmal die Hälfte
meiner Jahre erreicht
meine Ehe nur sechzig Tage gewährt
wäre kein Nachwuchs da
läse oder hörte niemand dies Gedicht
wäre die Sonne im Osten untergegangen
der Westen Aschenwüste
das jüngste Gericht schon vollzogen

© Hans-Werner Kube

Pseudoaluminium
und die großen Pläne

Je größer das Haus,
desto kleiner die Bewohner.

Dasselbe gilt für den Teufel:
In den Hütten verdrängte er die Besitzer,
während er in Wolkenkratzern
in eine Schnupftabakdose passt.

Der Teufel verliert allmählich an Prestige.
Seine Exkremente liegen jedoch immer noch
auf den Feldern.

Studenten werden geschickt,
um diesen roten Lehm zu untersuchen.
Sie hoffen, dass es viel
Pseudoaluminium
enthält, den Rohstoff von Portraitrahmen
und Schnellbombern.

© Anatoly Kudryavitsky

Für Bruno in der Sprachbehausung
wie er das Leben dichtet

du bist erde stein und schale
ein wangenmann ein zaungesell
aus wurzeln deine haare
bist kiemen dotter fell
mit der kraft des samens
sprengst schatten du tumult
schaffst erden im gewölbe
aus suppengrün und dunst
reimst küchen küken norden
bist herrlich schräg und fern
hast in dir ein zuhause
aus schnaps gewöll und lehm

© Anke Kuhnecke