Charles Bukowski

Der hat den Chevies
und Gartenzäunen, den
Pfaffen und dem Elfenbeinturm
den Blanken gezeigt von New York
bis L. A. säuft er nun terpentin
on the rocks, da werden Titten
und geile Schwänze angemacht
zum Prost auf verreckte
Illusionen auf den Müllhalden der Realität.
Bei der Fahrt auf der Gosse alle
Schleusen und Wehre geschliffen
keine Stege und Landungsbrücken,
Tretboote, Ausflugsdampfer nur
das Rauschen versoffener Bars,
das Wühlen in verfressenen Tonnen
kalte Nächte unter dröhnender Brücke
an U-Bahnschächten, wo die
Scheiße am Arsch der Zukunft aufspielt
zum Narrenball für solche, die’s sind
oder nicht werden wollten; von dort
all den Ekel aufs Papier geschrien
wo erstarrt zu Gedichten zu Bildern
ohne Zauber ungeschliffen am Boden
des Seins dem erbrochenen Rausch
von gestern wieder und
wieder

© Werner Pelzer

der dritte im bunde

wir gingen zum praterstern
du auf der rechten
ich auf der linken seite
der hauptallee
bei dir schien die sonne
bei mir trieb wind blätter
über die durststrecke
des vienna marathons

am ende warteten
die lichter des riesenrads
lange schauten wir hinab
auf die alten zonengrenzen
wir beschlossen gemeinsam
über die ziellinie zu laufen
bestellten uns im lusthaus
einspänner für zwei

© Manfred Peringer

Der Lampert

(Portrait einer seltenen Spezies)

Fast hätt‘ ich’s verschlampert,
das Lob des Kollegen Lampert.
Sein Witz und Schwung stecken mich an:
Der Kreidekünstler, Reiseführer,
Geschichtserklärer, Buchverehrer,
überhaupt der ganz besondre Lehrer!
Wer trägt schon bei sich auch in Schwarz die Kreide,
zu zaubern manch filigrane Augenweide?
Generation Bildschirm bekommt Augen riesengroß:
Wie macht der das bloß?
Und das lockere Aus-dem-Vollen-Schöpfen
Tut gut den aufnehmenden Köpfen.
Für die Kolleginnen auch Charmeur alter Schule,
jung geblieben vom Scheitel bis zur Sohle.
Ja, schneidig, geistreich, vielseitig interessiert,
über Fakten und Daten lexikongleich informiert.

Kein Warten voller Resignation
auf die sowieso schon schrumpfende Pension,
das ist nicht nur nicht gut für die Reputation.
Er ist frei davon:
Gratulation!

Noch in zwanzig Jahren hör’ ich’s raunen,
seh’ Kollegen voller Staunen:
»Wie machte der das nur?«
Schuldienst als Verjüngungskur!

© Norbert Pfaff

wie langusten

kommt einer
ohne anzuklopfen
sagt ich kann nicht bleiben
sagt hör wie das meer spricht
nimmt dir im vorübergehn
die klebrigen fäden
den staub der trägen jahre
sprengt die versteinerung
im schwemmland deiner zellen

nennt dich schnabeltier
reicht dir sein lachen
auf silbernem tablett
nennt deine spalte mango
flüstert mit deinen brüsten
gibt dir den schrei zurück
verlässt dich erst
wenn deine ruhe
nicht mehr schrecken ist

du schaust ihm nach
leckst salz von deinen lippen
die schmecken plötzlich
wie langusten

© Paul Pfeffer