Knab

Wegen meiner ersten Gedichte
musste mein Vater in die Schule.
Von Entsetzen und Empörung gezeichnet
die Züge der Lehrerin.
Gezeichnet hatte ich auch,
nicht virtuos, zugegeben.
Den Gedichten fehlte es an Raffinesse
und den Bedichteten an Kleidung.
So seien Knaben,
meinte mein Vater.

© Jürgen Trautner

Komisch diese (anderen) Männer

Der eine kann nicht küssen, der andere nicht ficken,
der dritte kann dir dabei nicht in die Augen blicken.
Der eine mag nicht baden, ein andrer will nicht schwitzen,
mancher liebt nur von ferne, der nächste will besitzen.
Der eine macht’s mit allem, doch niemals mit dem Herzen,
der eine will dir wehtun, der andre selber Schmerzen.
Nur einmal kann der eine und möchte danach schlafen,
dir dienen möchte jener, der andere dich strafen.

Der eine kann nicht lecken, der andere nicht lachen,
der nächste kann’s betrunken und nur im Dunkeln machen.
Der eine möchte immer, der andere will’s vermeiden,
und manch einer kann Frauen im Grunde gar nicht leiden.
Der eine will vor allem und bloß nicht zu viel fühlen,
er lässt dich deshalb sitzen und zwischen allen Stühlen.
Der eine kann nicht sprechen, der andere nicht schreiben.
Der eine kann nicht kommen, der andere nicht bleiben.

Nur du bist nicht der eine, der andre oder dritte,
schon gar nicht bist du mancher, noch jener und ich bitte
dich bleibe stets du selber, was brauch ich die Genossen
deines Geschlechts, ich liebe nur DEINE Sommersprossen.

© Sybil Volks

Fandango

Ach bei euch Frauen noch bleiben
Wie sorglos
Ach unter Männern noch leben
Wie einfach
Aber antreten heißt es
Helft mir, Gitarren!
Aber hier muss ich mich stellen
Greif mich, treib mich, Musik!
Haltung und Aug in Aug
Die heikle Begegnung bestehn
Zündende Fruchtbarkeit, komm!
Zündende Grausamkeit, komm!
Seht wie wir einfachen Leut
Unser Schicksal betreten

© Christa Wißkirchen