Eng verbunden

In meine Adern schießt ganz heiß das Leben,
wenn ich Dich plötzlich vor mir stehen seh’.
Und von der Kopfhaut bis zum großen Zeh
geht durch mich durch ein Kribbeln, Zittern, Beben.

Es ist wie früher, sagen diese Zeilen.
Und lügen so. Und sprechen doch auch wahr.
Denn Du betriffst mich innerlichst, ganz klar,
nur heißt statt Liebe Hass, was wir jetzt teilen.

So sind wir also weiter eng verbunden,
sind wir zugleich auch mehr denn je getrennt,
und haben doch für immer uns gefunden.

So scheint es jetzt. Bloß, wer es glaubt verkennt:
Das Leben dreht sich niemals nur in Runden,
und das besteht nicht lange meist, was brennt.

© Jan-Eike Hornauer

Salome / oder / Kind du kannst tanzen

Untersagt ist das Betreten
der Zisterne.
Salome hört lautes Beten
in der Ferne.
Und sie naht sich dem Propheten
schön und sinnlich.
Aber der spricht nur betreten:
Kind, geh’ in dich!

Da vergeht der so Verschmähten
ihre Liebe.
Sie strippt tease um des Propheten
fromme Rübe.
Und Herodes, der ihr jeden
Preis versprach,
lässt ihn töten –
und das böse Weib danach.

© Dieter Höss

Kopf verdreht

Wo die Liebe hinfällt
sagt man
und dabei fühlt es sich an
als ließe sie dich stolpern

reicht dir die Hand
die du ohne Verstand
hoffnungsvoll fasst
und stößt dich wie eine Last
auf halbem Weg in die Pfütze

verdreht dir den Kopf
bis du armer Tropf
merkst, dass die Sonne nicht
lieblich ist
sondern grell
und dir schwarze Flecken schnell
vor den Augen tanzen

und du dich nicht hinter
den roten Rosen verschanzen
kannst, weil ihre Dornen
dich stechen und Winter
ist.

© Katja John