Kein Wort zu viel

Ins Bild gerollt.
Der Film lief fort
Die Straße hinauf
Ins schweigsame Dorf.
Das Mädchen
Auf dem Rappen
Knickte kunstvoll
Die linke Hand,
Mich zu grüßen,
Den dürren Anwalt
Mit Stock und Opernglas.
Ich las ihre Not,
Den Krampf in den Schenkeln
Beim Satz durch das Feuer.
Der Schrei der Kleinen
Trieb mich ins Freie,
Schrieb sich ein
In Reime, Noten
Für Hexer, Artisten,
Die uns versuchten
Mit schwärzesten Tinten,
Der Springflut der Bilder
Am Rummelplatz.

© Roland Lohmann

Worte

»Eure Rede sei allzeit lieblich
und mit Salz gewürzt, dass ihr wisset,
wie ihr einem jeglichen antworten sollt.«
Kolosser 4,6

Bevor man redet
sollte still
gut überlegt sein
was man
dem Andern
sagen will.
Denn jedes Wort
ist eine Saat
die Ernte folget
in der Tat.
Die ist ein
göttliches Gebot
wer übertritt
gerät in Not
wenn hin und wieder
dann und wann
ein Wort
– im Eifer des Gefechtes –
gedankenlos wird
ausgesprochen
das Gegenüber
ist betroffen.
Wer immer dies
vermeiden
wollte
auf diesen Rat
stets hören
sollte:
»Lass Worte
nur aus deinem Munde
die geläutert sind im
Herzensgrunde.«

© Doris Maria Maier

 

Sütterlin

Hak ein ins Öselein.
Vernadele,
umschnalle
die kurz gekurvten Schlaufen.
Lass sie
im Laufen
raufen.
Und stöhnen
in gezackten Höhen.
Es lenken
längst schon wieder
verbeulte Senken
kopfüber nach unten.

Weiß noch einer?
Wie der Griffel
im Geschriffel
anno dazumal
zersplitterte?

Der Rohrstock.
Das Lineal.
Diese beiden!

© Claudiha-Gayatri Matussek

Schuh-Werk

Ich sitze gerade
vor ihm auf dem Boden
schaue hinauf
wirklich gerade der Rücken
der Boden ist kalt und staubig
ich nippe am Wein
ich harre aus male seine Schuhe
kritzele herum
er schreibt mit der Hand
mit dem Bleistift
letzte Korrekturen
lehnt am Podest
gleich
wird er’s besteigen.

Die Schuhe
von Michael Lentz
unglaublich schwarz und glänzend
poliert schillernd brillant und
gar nicht ab
der Lack meine ich
die Schuhe sind wirklich toll
mit drei silbernen Rallyestreifen
ich sehe nur Schuhe
die rasen durch Textkörper
blasen brausen stürmen schnauben
galoppieren jagen drängen
repetieren parieren
konterkarieren
die Worte
klingen trompeten tuten tröten
singen sausen säuseln schallen flüstern
zischen tönen tosen toben
trommeln die Konsonanten
und das mit einer Geschwindigkeit
da komm ich kaum mit
da bleibt mir der Atem
weg
donnern krachen knattern knallen poltern
schleudern und platzen
Sprechkanone expressiv so
ein Boxer
mit Wortmuskeln.

© Hanne Mausfeld