Liebesmüh

Wär ich ein schwarz Lämmlein,
weißer Täuberich
oder ein schnurrendes Tigerbaby –
es nutzte nix,

denn du bist und bleibst
deinem Alfons gehörig,
wie sich’s für ehrbare
Frauen ziemt, und

selbst als Tiefseetaucher,
oder Galaxiebeschweber
käm ich nicht an.

Könnte ich aber mit
leeren Dosen, Lumpen, Kienäppeln
vor dir jonglieren, dazu
befremdlich blöken,

würdest du – vielleicht –
dein blödes Liebtier
kraulen.

© Diter von Kutzschenbach
Aus: »Mit Gewittern spaße ich nicht«,Poesie 21 bei Steinmeier, Bd. 25

Möwen in Rom

Große Möwen sind
die Legionäre von heute,
hängen im blassen Blau
landen auf hohen Türmen
unweit der modernen Meute.

Sie kommen einzeln vom Meer,
nicht in geordneten Schwärmen,
bewachen die roten Thermen,
die ihre flachen Ziegel
in römischer Sonne wärmen.

Abends ziehen sie wieder ab,
kreisen ein kurzes Stück,
kehren, dem Tiber folgend,
westwärts nach Ostia
ins dümpelnde Lager zurück.

© Werner M. Schulze
Aus: »Noch leuchten die Gärten«,
Poesie 21 bei Steinmeier, Bd. 24

Bilderbetrachtung

Kleine Schwarzweißfotos mit Zackenrand
auf der Acellahülle des Albums
tief eingepresst in Gold:
mein erster Schultag.

Artig gescheitelt und stolz
die Schultüte im Arm
das rindslederne Standeszeichen
auf dem Rücken: der Tornister.

Ruhig lagen die Dörfer
noch ohne Bildgeflimmer.
Nur jährlich das Schützenfest
mit türkischem Honig.

Wir bauten Höhlen im Wald
fingen Kaulquappen, lang
dauerte unser Sommerkonzert
mit Weidenflöten und Trommeln.

Die schönsten Spiele im Herbst:
Höhlenbau und Drachenflug
auf Stoppelfeldern
Kartoffelfeuer in der Nacht.

© Peter B. Zunke
Aus: »Man muss die Tage lieben, wenn sie weinen«,Poesie 21 bei Steinmeier, Bd. 23

care-paket aus etrurien

ich schicke dir sonne
die bleicht und bräunt
bis in die knochen heilt

wasser aus saturnia
das alle wünsche und wülste
und alle wut abwäscht

wein aus albereses fässern
der dich leicht macht
erheitert

olivenöl aus tönernen gefäßen
das dich nähren soll
friedlich

und wenn das nicht reicht
den lerchenruf
überm feld klar und weich

fürs meer
ist das paket
zu klein

© Uta Regoli
Aus: »federfrau, vogelfrei«,Poesie 21 bei Steinmeier, Bd. 22